Kampf um den Erhalt der Artenvielfalt
"Jedes gekaufte Stück Elfenbein ist eine Patrone, die den nächsten Elefanten tötet"
(Brigitte Bardot)
Die Gier nach Elfenbein
Elefanten aus Zentralafrika haben nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen und diversen EU-Verordnungen, die in nationales Recht umgesetzt worden sind, den höchsten Schutzstatus. Die Einfuhr von afrikanischen Elfenbein ohne entsprechende CITES-Dokumente (Amtliche Bescheinigung über den legalen Erwerb) stellt eine Straftat nach dem Bundesnaturschutzgesetz dar.
Derzeit gibt es rund 400.000 Elefanten in Afrika. In den letzten dreißig Jahren verringerte sich der Bestand an Savannenelefanten um 50 Prozent, bei Waldelefanten sogar um 80 Prozent. Grund dafür: Bejagung und Verringerung des Lebensraums. Die Menschen brauchen immer mehr Land und dringen in die Reservate vor. Dies führt, wie in Botswana, zu Konflikten zwischen Mensch und Tier. Selbst für die stark reduzierte Anzahl Elefanten ist zu wenig Platz.
Gewilderte Elefanten werden komplett vermarktet. Nicht nur Schnitzereien aus Elfenbein, sondern auch Geldbörsen aus Elefantenhaar, Taschen aus Elefantenleder bis hin zu überdimensionierten Aschenbechern aus Elefantenhufen sind im illegalen Angebot. Nur ein Souvenir wird vom Zoll nicht beanstandet: Elefantenkot. Der Dung ist sehr mild und versorgt den Boden im heimischen Garten, ähnlich wie Pferdemist, mit vielen Nährstoffen. Tipp: einfach im nächsten Zoo nachfragen.
Auch die Kraft der Elefanten wird ausgenutzt. Arbeitselefanten müssen im Norden Thailands bei der Rodung von Wäldern schwere Baumstämme bewegen oder Touristen durch den Dschungel schaukeln. Ein Leben in Ketten, oft mit Schlägen und mangelnder Versorgung.
Besser ein lebender Elefant mit Elfenbeinstoßzähnen in freier Wildbahn..
..als ein geschnitzter Elfenbeinstoßzahn ohne Elefanten in der Asservatenkammer des Münchner Zolls.
(Foto: Hauptzollamt München)
Tot oder lebendig,
Gruseliges Gebiss in der Vitrine statt Erinnerung an ein tolles Erlebnis im Fotoalbum
Diesen schlecht präparierten Schädel eines Siam-Krokodils kaufte ein deutscher Tourist auf einem Markt in Bangkok für umgerechnet 30 Euro. Da der Händler eine Vielzahl weiterer ausgestopfter Krokodile oder Teilen davon auf seinen Verkaufstischen anbot, glaubte ihm der 53-jährige Pauschalurlauber aus Pfaffenhofen, dass die Tiere aus einer legalen Zuchtfarm stammen. Die beim Zoll vorgelegte Quittung genügte, entgegen den Versicherungen des thailändischen Verkäufers, nicht zur Einfuhr in die Europäische Union. Der Zoll leitete ein Strafverfahren wegen Vergehens nach dem Bundesnaturschutzgesetz ein und zog das schauerliche Mitbringsel ein. Siam-Krokodile sind nämlich unmittelbar vom Aussterben bedroht. Da an diesem Exemplar außerdem noch rohe Fleischteile mit eingetrocknetem Blut hingen, wäre die Einfuhr aus tierseuchenrechtlichen Gründen ohnehin nicht möglich gewesen.
Auf Safaris in sicherer Entfernung geschossene Fotos sind besser als erschossene Tiere, gefährden nicht den Bestand bedrohter Arten und kommen problemlos durch den Zoll.
Im Bild ein besonders geschütztes Sumpfkrokodil im Yala-Nationalpark im Südosten Sri Lankas.
Das größte Krokodil Afrikas im Kleinformat
Ein Souvenirladen in Luxor/Ägypten (siehe unten) bietet neben Häuten von artengeschützten Pythonschlangen auch Krokodilledertaschen und ausgestopfte Nilkrokodile an. Die in den 80`er Jahren stark vom Aussterben bedrohte Art hat sich wegen Abschussverboten und Züchtungen in Krokodil-Farmen wieder erholt.
Verkaufsständer mit Taschen aus Krokodilleder und Schlangenhäuten
Ausgestopfte Nilkrokodile
Straßenbild Luxor/Ägypten
Gnadenlose Jagd auf die letzten Tiger "Panthera tigris"
Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gab es ca. 100.000 frei lebende Tiger, gut die Hälfte davon auf dem indischen Subkontinent. Heute leben, über dreizehn Staaten verteilt, nur noch knapp 4000 dieser wunderschönen Großkatzen. Neben der ständig fortschreitenden Vernichtung ihres Lebensraums durch Rodung der Wälder für die Ansiedlung von Menschen, gefährden Wilderer den Bestand. Ein toter Tiger ist auf dem Markt über 20.000 US-Dollar wert, mehr als ein lebender. Die Nachfrage nach Tigerprodukten ist ungebrochen. So verwertet speziell die traditionelle chinesische Medizin den Tiger vom Fell bis zur letzten Kralle. Die Pfoten sollen gegen Arthritis helfen, der Penis die Potenz fördern, die Zähne Asthma lindern und das Blut die Willenskraft stärken. Es werden Tigerwein, Tigerfett und Tigersuppe verkauft. Besonders abstoßend ist, dass viele Tiger ohne Betäubung geschlachtet werden, weil vermutlich dadurch ihre Knochen einen rosa Schimmer erhalten. Diese werden anschließend zu Halsketten verarbeitet, welche die Hälse der asiatischen Jugend zieren sollen. Obwohl Tiger durch das Artenschutzabkommen "Convention on international trade in endangered species" (CITIES) streng geschützt sind, hat sich der illegale Handel zwischen 2007 und 2018 nahezu verdoppelt. In absehbarer Zeit werden diese Tiere lebendig wohl nur noch in Zoos oder im Zirkus zu sehen sein.
Von gebratenen Affenfleisch, toten und gequälten Tieren..
Die Abbildung unten zeigt im Reisegepäck transportiertes Antilopenfleisch aus Westafrika. Die Einfuhr von Fleisch (sog. Bushmeat), oft von artengeschützten Wildtieren , ist strafbar nach dem Bundesnaturschutzgesetz und zudem aus tierseuchenrechtlichen Gründen grundsätzlich verboten. Das Fleisch in der Plastiktüte war über 30 Stunden ungekühlt von Accra/Ghana, über Paris, bis nach München unterwegs. Damit verlor es auch seine Genusstauglichkeit. Ein weiterer Grund für die Beschlagnahme durch den Zoll. Neben dem Verlust seines Bratens erwarten den Einführer ein Bußgeld von etwa 400 Euro und die Gebühren für die fachgerechte Entsorgung der toten Antilope.
Tot oder lebendig
Lebende Breitrandschildkröte in Klebeband gewickelt und mit Gurten fixiert.
Tote Singvögel aus Rumänien
Pavianschädel von einem Markt in Bangkok
Artengeschützte Feldlerchen
Die traurige Geschichte der rumänischen Singvögel
Solche makaberen "Spezialitäten" werden in normalen Koffern -ungekühlt- transportiert. Sie sind zum Verzehr in italienischen Spezialitätenrestaurants vorgesehen, wurden aber vom Münchner Zoll entdeckt. Da die Vögel auch in Italien dem Artenschutz (Europäische Vogelschutzrichtlinie) unterliegen, stehen sie verschlüsselt auf den Speisekarten. Dort werden sie als traditionelle Gerichte wie "Geflügelteller" angeboten. Jeder "Feinschmecker" vor Ort weiß natürlich sofort, dass damit die verbotene Rotkehlchenplatte gemeint ist. Für den Schmuggler, einen Hochschulprofessor aus Florenz, blieb die Küche kalt, weil die toten Vögel beschlagnahmt wurden. Außerdem verlangten die Zollbeamten eine Sicherheitsleistung von zweitausend Euro für die zu erwartende Strafe. Nachdem mehrere solcher Koffer voller Vogelkadaver aus Rumänien in München beschlagnahmt worden waren, wurde den Schmugglern das Risiko wohl zu hoch. Sie schickten keine Kuriere mehr los. Wenn jetzt keine rumänischen Singvögel mehr für italienische Kochtöpfe sterben müssten, wäre das schön. Leider werden bei zu vielen "Verlusten", sprich Sicherstellungen durch den Zoll, von den Schmugglern andere Routen gewählt. Das üble Geschäft läuft weiter.
Klimawandel: Das ewige Eis Sibiriens taut und bringt bisher Verborgenes ans Tageslicht
Elfenbein von Elefanten ist streng geschützt. Deshalb tarnen Schmuggler es oft mit einem Überzug der Baumrinde ähnelt. In diesem Fall (siehe Bild unten) handelte es sich jedoch um einen Mammut-Stoßzahn aus dem ewigen Eis Sibiriens. Der Klimawandel macht es möglich: Die ansteigenden Temperaturen weichen den Permafrostboden auf und legen die Überreste der Mammuts frei. Da diese Tiere längst ausgestorben sind, unterliegen sie keinem Artenschutz mehr. Jedoch ist Mammut-Elfenbein bei Sammlern sehr begehrt. Der Preis für einen Stoßzahn liegt bei 60.000 US-Dollar. Die somit fälligen Zollgebühren von gut 10.000 Euro wollte sich der Reisende, ein 43-jähriger Schmuckhändler aus München, sparen. Er erzählte den Zöllnern allen Ernstes, es würde sich um einen "versteinerten Baum" handeln, den er auf einem Flohmarkt in Moskau für wenig Geld erstanden habe. Da der Münchner bei seiner Einreise aus Russland außerdem den grünen Ausgang benutzte und damit zu erkennen gab, dass er nichts anzumelden hatte, leiteten die Beamten ein Steuerstrafverfahren gegen den Schmuckhändler ein. Den beschlagnahmten Stoßzahn bekommt er erst nach Bezahlung der Einfuhrabgaben und der Strafe wieder zurück.
Hintergrund:
In Russland steigen die Temperaturen schneller als in anderen Ländern. Das führt besonders im Norden des Landes zu großen Problemen. In Norlisk taute der Permafrostboden und sackte ab. Dadurch brach Anfang 2020 der Boden eines Tanklagers und setzte 20.000 Tonnen Diesel frei, die ungehindert in die Flüsse gelangten. Solche Umweltkatastrophen werden sich in Zukunft wiederholen, weil Russland die in der Arktis schlummernden riesigen Rohstoffvorräte, wie Öl, Gas, Kohle und Gold, verstärkt erschließen will. Bereits jetzt befinden sich 45 Prozent der im hohen Norden Russlands gelegenen Gas-Infrastruktur in einer Hochrisikozone. Dies führt wegen der Permafrostschmelze zu jährlich über 7000 ernsten Zwischenfällen wie das Journal „Nature“ schreibt.
Am Flughafen abgestürzt
Zoll, Feuerwehr und Veterinärmediziner retten Kauz
Der relativ große Vogel (siehe Bild unten) flog in einen Gang, der zur Besucherterrasse führte und fand nicht mehr heraus. Bei seinen verzweifelten Versuchen ins Freie zu gelangen krachte er so oft gegen die Glasscheiben, dass er schließlich abstürzte und erschöpft am Boden liegen blieb.
Eine Zollstreife beobachte das Drama und barg das verletzte Tier. Die schnittfesten Einsatzhandschuhe leisteten hierbei gute Dienste. Die herbeigerufene Feuerwehr übernahm den geschwächten und leicht verletzten Kauz und brachte ihn zum Veterinärdienst. Dort wurde er ärztlich versorgt und kann sich nun von den Strapazen erholen bis er wieder freigelassen wird.
Da die meisten Kauz-Arten wegen der Veränderung bzw. des Wegfalls ihrer Lebensräume unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, genießen sie besonders strengen Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Washingtoner Artenschutzabkommen.
Was sonst noch los war..
Kranker Hund aus der Dominikanischen Republik
Der etwa dreijährige Mischlingsrüde aus der Dominikanischen Republik wurde von seinem Herrchen, einem 52-jährigem Leistungsempfänger aus Berlin, kurzerhand ins Handgepäck gesteckt um unentdeckt durch den Zoll zu kommen. Grund: fehlende Gesundheitszeugnisse und Impfungen.
Gebratene Rohrratte aus Nigeria sichergestellt
Rohrratten werden so groß wie Hauskatzen und als Plage angesehen, weil sie große Schäden auf Feldern und Plantagen anrichten. Andererseits ist ihr Fleisch ein wichtiges Nahrungsmittel. Aus tierseuchenrechtlichen Gründen ist die Einfuhr solcher afrikanischer Lebensmittel in die EU verboten.
Bunte Schmetterlinge aus dem Regenwald
Diese schön anzusehenden Insekten unterliegen nicht dem Artenschutz, dürfen also frei eingeführt werden. Leider flattern die auf dem Foto gezeigten Schmetterlinge nicht mehr im Wind, sondern liegen tot in einem Schaukasten.